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Malteser Kevelaer

Ist jede Erkältung eine Grippe?

Wie erkenne ich die Unterschiede und was soll ich tun?

22.11.2018

Wir sagen es alle oft: „ich habe die Grippe“ – meinen aber meist schlicht und einfach, dass wir uns krank fühlen und die Anzeichen einer „klassischen Erkältung“ haben. Ist das überhaupt wichtig? Es ist doch egal, welchen Namen die Krankheit hat – mir geht es schlecht und die Auswirkungen sind ja doch die gleichen, die Behandlung irgendwie auch.
Das stimmt so nicht ganz und deshalb ist es wichtig, etwas zu unterscheiden. Sowohl die banale Erkältung als auch die Grippe sind fast immer Viruserkrankungen. Die „echte Grippe“, nach dem auslösenden Virus „Influenza“ genannt, ist im Gegensatz zur „Erkältung“ viel gefährlicher. Jedes Jahr sterben viele Menschen an Influenza- im Winter 2016/17 waren es allein in Deutschland nach RKI-Schätzungen fast 23.000 Menschen. An einer „Erkältung“ alleine ohne Komplikationen stirbt normalerweise niemand.

Je mehr Geimpfte, desto weniger hat das Influenza-Virus eine Chance

Deshalb ist es so wichtig, sich, besonders dann, wenn man zu den „Risikogruppen“ (chronisch Kranke, Menschen ab 60 Jahre, Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen, Schwangere …) gehört, im Herbst impfen zu lassen. Das hilft dem Geimpften, aber auch seiner Umgebung – ein wesentlicher Grund, warum sich Menschen, die beruflich mit Älteren und/oder Kranken oder täglich einfach mit vielen Menschen zu tun haben, unbedingt impfen lassen sollten. Je mehr Geimpfte, desto weniger hat das Influenza-Virus eine Chance zur Ausbreitung. Also: auf zum Hausarzt und impfen lassen! Dabei lohnt es sich immer, den sonstigen Impfschutz gleich mit prüfen zu lassen.
Wie kann ich aber jetzt eine Erkältung von einer Influenza unterscheiden? Der erste und einer der wichtigsten Hinweise ist der Beginn der Erkrankung: eben habe ich mich noch ganz gesund gefühlt und schlagartig geht es mir richtig schlecht, ich will eigentlich nur noch ins Bett, mir ist kalt und gleich wieder heiß, der ganze Körper schmerzt, die Haut ist berührungsempfindlich, ich habe wirklich Fieber (meist deutlich über 38 Grad), starke Kopf- und Gliederschmerzen, trockenen Husten und eine verstopfte Nase.
Eine klassische Erkältung beginnt allmählich mit Kratzen im Hals, Kribbeln in der Nase, dann Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und später laufender Nase, Husten mit Schleim und erhöhter Temperatur, meist nicht über 38,5 Grad.
Eine unkomplizierte Erkältung ist meist nach einer Woche wirklich vorbei, bei der Influenza kann man durchaus deutlich über eine Woche hinaus richtig krank sein.

Was ist zu tun?

Zunächst einmal tatsächlich an die Vorbeugung denken, das Immunsystem stärken und ggf. gegen Grippe impfen lassen. Wenn die Erkrankung beginnt – symptomatische Behandlung: viel trinken (Wasser, Tee, verdünnte Obstsäfte), leicht verdauliche Kost, Schleimhäute feucht halten (z.B. mit Dampfbädern, Kochsalzspray), Schlafräume lüften, gut eingepackt spazieren gehen, nicht rauchen, körperliche Belastung eher pausieren. An gute Basishygiene denken. Im Zweifel zum Hausarzt gehen, der unterstützende und die Symptome lindernde Arzneimittel empfehlen kann. Noch ein Hinweis zum Schluss: Den Hausarzt nach einem Antibiotikum zu fragen, macht häufig keinen Sinn, da diese gegen Viren nicht helfen können. Werden Antibiotika zu häufig ohne Grund eingesetzt, wirken sie im Ernstfall nicht mehr.

Text: Dr. Rainer Löb, Bundesarzt der Malteser

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